Das Zebra Magazin
Resilienzcafe
Mein Inneres Team sortiert das neue Jahr
Manchmal fühlt sich der Start in ein neues Jahr ein bisschen an wie ein Montagmorgen im Großraumbüro. Alle sind da, alle reden durcheinander und irgendwie weiß niemand so richtig, wer eigentlich was macht.
Ganz schön überfordernd, was?
Genau so kann es auch in unserem Inneren aussehen.
Das Thema des letzten Resilienzcafés hat mich deshalb besonders berührt und inspiriert: das Innere Team. Die Idee, dass in uns viele unterschiedliche Anteile wirken – Stimmen, Bedürfnisse, Haltungen – die sich je nach Situation zu Wort melden. Manche laut, manche eher schüchtern, manche voller Tatendrang und andere eher vorsichtig oder skeptisch.
Wenn mein Inneres Team das neue Jahr sortiert
Am Sonntag, den 18. Januar 2026 fand von 16 bis 18 Uhr wieder ein Resilienzcafé statt — ein Raum zum Innehalten, Austauschen und Nachdenken über das, was uns innerlich stärkt.
Ein Thema hat mich danach noch lange begleitet und inspiriert: das Innere Team. Und die Frage, wie all die unterschiedlichen Stimmen in uns eigentlich gemeinsam durchs neue Jahr gehen wollen.
Das kleine Team in uns
Ehrlich gesagt habe ich früher ‑vor meiner Qualifizierung- immer nur vom „Inneren Kind” gehört. Also der Anteil in uns, der Gefühle, frühe Erfahrungen, Verletzlichkeit, Freude, aber auch alte Schutzstrategien in sich trägt. Sich mit diesem Teil von sich zu beschäftigen, ist wichtig, um zu verstehen, warum wir manchmal so reagieren, wie wir reagieren und um zu erkennen, was uns wirklich glücklich macht, indem wir noch einmal durch unsere kleinen Kinderaugen schauen.
Aber im Resilienzcafé ist mir schnell klar geworden, dass da noch mehr in uns schlummert. Denn in jedem von uns leben viele verschiedene Anteile. Sei es Stimmen, Bedürfnisse, Haltungen oder Perspektiven. Je nach Situation melden sie sich dann zu Wort.
Da gibt es zum Beispiel die motivierte Planerin, die schon am 2. Januar eine Liste mit zwölf Zielen für’s neue Jahr schreibt.
Der vorsichtige Teil, der erstmal schauen möchte, ob alles sicher ist.
Die kreative Stimme, die ständig neue Möglichkeiten entdeckt.
Oder auch der kritische Anteil, der manchmal sehr genau hinschaut.
Und mittendrin sitzt das innere Kind.
Es kann sich ganz unterschiedlich zeigen:
als neugierige Stimme: „Lass uns etwas Neues ausprobieren!“
als verletzlicher Teil: „Ich möchte gesehen werden.“
als vorsichtiger Anteil: „Ich brauche Sicherheit.“
oder als verspielte Stimme, die einfach Freude erleben möchte.
Manche dieser inneren Teammitglieder sind ziemlich laut. Andere melden sich nur leise oder sitzen eher im Hintergrund.
Die Schaltzentrale
Wenn ich an dieses innere Team denke, stelle ich mir manchmal eine kleine Schaltzentrale vor – ein bisschen wie im Film ‘Alles steht Kopf’.
Oder wie eine Teamleitung, die versucht, alle Stimmen zu hören und dafür zu sorgen, dass niemand komplett übergangen wird.
Denn beim Inneren Team geht es gar nicht darum, einzelne Anteile als gut oder schlecht zu bewerten.
Es geht vielmehr darum, wie sie miteinander angeordnet sind.
Ein gutes Team braucht schließlich verschiedene Qualitäten:
die mutigen und die vorsichtigen
die lauten und die leisen
die lebendigen und die zurückhaltenden
Jeder Anteil bringt etwas Wertvolles mit. Entscheidend ist nur, dass sie in einem guten Verhältnis zueinander stehen.
Eine kleine Teamsitzung zum Jahresanfang
Die Übung aus dem Resilienzcafé lädt dazu ein, einmal bewusst hinzuschauen:
Wie ist mein inneres Team gerade aufgestellt?
- Welche Anteile fühlen sich groß oder klein an?
- Wer steht eher im Vordergrund.
- Wer bleibt im Hintergrund?
- Wie nah oder fern stehen die Teammitglieder zueinander?
- Gibt es Gruppen, Paare oder Einzelne am Rand?
- Wenn die Anteile miteinander sprechen würden, wie würde die Unterhaltung aussehen?
Manchmal entsteht allein durch diese Fragen schon mehr Klarheit.
Das Arbeitsblatt aus dem Resilienzcafé gibt es hier kostenlos zum Download.
Für alle, die nicht dabei sein konnten, einen Einblick bekommen möchten oder die Übung noch einmal in Ruhe für sich selbst vertiefen möchten.
Am Ende möchte ich folgenden Gedanken mitgeben
Statt zu denken „Ich müsste anders sein“, können wir neugierig werden.
Wir dürfen uns selbst als ein Team betrachten — mit vielen unterschiedlichen Facetten (so wie ein Zebra unterschiedliche Streifen trägt).
Und manchmal stellt man fest:
Da ist gar kein Chaos.
Da ist einfach nur ein Team, das gerade neu sortiert werden möchte.
